Fjölvi – Nun hat es uns auch erwischt: Hufrehe

Möchte hier unsere Geschichte erzählen, in einer Art Tagebuch.

Ich hab schon am Dienstagabend, 13.10. gemerkt, dass Pony schwer atmet. Mitwoch dann gesehen, läuft steif, es lahmt, hab auf dem einen Huf einen Angußverband gemacht, weil es eben auf diesem gelahmt hat. 

Unser homöopathischer Arzt Dr. Schulz, spezialisiert auf Pferde, hat ihm Globulis Ledum C 30 verschrieben. Diese hat er von Mittwoch an bekommen.
Donnerstag den Hufschmied eines anderen Pferdes am Stall angefragt, ob er sich das mal ansehen kann, hat sich leider 2 Tage nicht gemeldet und dann jemand anders rufen können, diese Difho Pflegerin kam heute und hat mal gefühlt und abgedrückt, leider nichts konkretes gefunden. Meinte, er hätte eventuell Hufrehe. TA verständigt und der hat das sofort bestätigt, als er Pony gesehen hat. Der wollte einen Entzündungshemmer spritzen, konnte aber kein Mittel spritzen, weil er keine Vene gefunden hat, hat bestimmt 20 mal rumgestochen, Pony jedesmal gezuckt, aber brav geblieben. (Er ist übrigens immer ein lieber Schatz) Jedenfalls zeigte sich dann irgendwann etwas Blut in der Kanüle, aber lief nicht. Er meinte, es wäre wohl zu dickes Blut.
Er hat mir dann als Schmerzmittel Phenylbutazon-Gel PH 100 mg/ml und Aspirin da gelassen. Hat noch Keile unter die Hufe geklebt, Pony ist sofort wieder besser gelaufen.
Er hat mir empfohlen spezielle Hufschuhe für Rehe anzuziehen.

Fjölvi bekommt jetzt Heu aus engmaschigen Netzen, 3 cm. Menge: 7-8 kg bei 350 kg Körpergewicht. Daneben frisste er Stroh von der dicken Einstreu, die teils auch noch mit etwas Heu vermischt ist, da kann er dann bisschen suchen. Bisher hatte er All you can eat vom Heuballen mit Netz, war wohl zu viel. Jetzt schauen wir mal, wie es mit der begrenzten Fütterung aussieht, eventuell müssen wir noch mehr reduzieren.
Getrocknete Brennessel habe ich ihm angeboten, hat er gierig aufgefressen.
ER TRINKT WIEDER GUT, was er die ersten Tage nicht gemacht hat, hab einen Bottich drin stehen. Steht sowieso immer drin, ich weiß, dass meine Pferde gern aus Bottichen saufen.
Auf der Suche nach der Ursache macht man sich doch Gedanken.
Er wird sowieso nicht viel “genutzt”. Das heißt normal steht er im Offenstall mit seinem Kumpel. Zugang zum Trail wenns trocken ist, Weide im Sommer nur ca. 1-2 Stunden täglich. Seit Wochen war eh alles abgefressen und sie durften auf die ganzen 7000 qm. Die spielen und toben selber rum, brauche ich nicht bewegen. Seit paar Wochen hats aber geregnet und sie waren nur im Unterstand: ca. 65 qm und Paddock davor ca. 100 qm und noch ein kleiner Unterstand ca. 15 qm. Er hat jetzt davon ein Stück abgeteilt bekommen und steht im kleinen Unterstand, dick mit Stroh eingestreut.
Vielleicht war das auch die Ursache, zuviel Heu (es gibt dazu noch eine weitere weniger schöne Erkenntnis, siehe weiter unten), zuwenig Bewegung, zum Trost ein paar Äpfel jeden Tag, sowieso schon zuviel Speck, es macht wohl das Gesamtpaket.
Heute am Sonntag ist er wieder etwas mehr gelaufen. Vielleicht wegen Schmerzmittel? Zum Wasser, an das Tor, eine Runde, auch mir entgegen gekommen, als ich mit Heunetz kam. Nun ist das vielleicht nicht der beste Weg, wenn er läuft. Habe mich mit meinem Homöopathen besprochen, der ja Arzt ist und mich dazu entschieden den homöopathischen Weg zu gehen. Das heißt, Schmerzmittel weg lassen, speziell Phenylbutazon, was im Verdacht steht, Hufrehe auszulösen. Wenn er sich aufgrund der Schmerzmittel mehr bewegt, kann das auch die Strukturen schädigen. Er soll sich am besten hin legen und hat dafür dicke Stroheinstreu bekommen. An diesem Abend bekam er Belladonna C 30 eine Gabe. Video von Sonntag:

Das heißt ab heute, Monatag 19.10. bekommt Ponymann aufgrund seiner speziellen Eigenschaften Pulsatilla C 30. 
Außerdem wird nun mit Eisbeuteln gekühlt. Es wurde anscheinend festgestellt, dass selbst bei dauerhaftem Kühlen mit Eis keine Schädigung eintreten kann.
Wir entscheiden täglich je nach Entwicklung und Reaktion. Danke an Dr. Schulz für den Einsatz, als Ansprechpartner, nach Absprache im besonderen Falle erreichbar wann immer es sein muss.
So, Fjölvi hat sich gut gehalten. Er hat viel geruht, auch gelegen, und er hat sehr begrenzt Heu gefuttert. War in der Sattellage immer etwas feucht geschwitzt und immer etwas schwer geatmet. Natürlich hat er gutes Mineralfutter bekommen und ich habe ihm Zeolith gegeben, zum Ausleiten/Abtransport eventueller Giftstoffe.
Zwei Wochen später, gegen Ende Oktober: Ich fühle kein Pulsieren mehr, die Atmung ist wieder ruhig geworden und Schwitzen muss er auch nicht mehr. Er steht auf einer dicken Matte aus Stroh mit Strohhäcksel  und läuft auch schon im Auslauf mal in die Sonne. Der Auslauf besteht zum Teil aus Matsch, zum Teil Gummimatte und ein Teil ist feste Erde. Größtenteils hat er also die Möglichkeit auch da weich zu stehen.
Am Wochenende zum November hin, konnten wir zu zweit Fjölvis Hufe das erste mal grob rehegerecht bearbeiten. Ich habe mich nach den Empfehlungen vom tierheilkundezentrum.de gerichtet. 
Hinten war ja kein Problem, das ging schon vorher, aber vorne wollte er nicht lange hoch geben, da hatte er wohl zu viel Schmerzen, da musste einer Aufhalten. Aber er sah so zufrieden aus, nach der Bearbeitung, es war trotzdem der richtige Schritt. Gestern, 4. November und Heute konnte er die Hufe wieder ganz normal geben, er hat nicht mehr weg gezogen. Ok, nicht so ewig lang, aber fürs Nachbessern der Bearbeitung hat es ausgreicht, nun sind auch die Feinheiten bearbeitet. Endlich, nach 3 Wochen sind wir einen Schritt weiter. Ich bin so froh für ihn. 
Eine weitere Erkenntnis: Seit der letzten Heulieferung habe ich anscheinend auch den Auslöser gefunden: Der Lieferant sagte mir, dass er Grummet geliefert hatte, obwohl er mir am Telefon sagte, er hätte momentan nur einen frühen Schnitt. Das Heu war sehr fein und grün, hätte er nicht ausdrücklich gesagt, es sein frühes Heu, hätte ich das garnicht gefüttert. Somit hat er also eine ziemliche Energiebombe bekommen, weil dieses Heu ein später 2. Schnitt gewesen ist, sein Stoffwechsel hat das bestimmt nicht verkraftet. Auch meine Stute hatte schon Bauchweh bekommen davon und hat es nicht mehr gefressen. Die anderen beiden sind ohne sichtbare Schäden davon gekommen. Der Lieferant nimmt zwar jetzt die restlichen 2 Quader zurück, aber leider kommt die Gesundheit auch nicht wieder davon. Inzwischen habe ich tolles neues Heu bekommen!
Ein kleines Laufbild als Zwischenbericht vom 9. November:

Hier nun ein Video vom 19. November:

19.11.2020
Bisher bekam Fjölvi Marstall force, aber ich füttere keine synthetischen Mineralien mehr, die ich leider bis jetzt fütterte, weil ich mich nie damit auseinander gesetzt hatte… Durch die Erkenntnisse der Berater aus einer speziellen Gruppe bei Facebook habe ich noch einige Tipps bekommen:
es gibt auch eine andere gute Empfehlung ähnlich diesem Mineral:
equigreen-micromineral-plus , natürliches, rehegerecht verwertbares Mineralfutter, 
dann bekommt er jetzt noch
equigreen-ekzemx , gegen stoffwechselbedingte Rehe
und arthrogreen-lauf-fit , hilft bei Rehe-Schmerzen.
Heute habe ich auch wieder mit dem Arzt telefoniert, ich werde nun ein weiteres homöopathisches Mittel geben, welches speziell für ihn ausgesucht wurde.
Ich bin so froh, dass es Fjölvi nun schon wesentlich besser geht. 
Zwischendurch wurden seine Hufe auch nachgearbeitet, das steht heute auch wieder auf dem Plan.
Ich habe nun alles versucht, was ich tun kann und hoffe er macht weiterhin gute Fortschritte. 


Verwendete Schlagwörter: , , ,