Nero, so groß mit Hut

Nero, so groß mit Hut

Nero ist unser 3,5 jähriger Noriker.
Er kam mit 6 Monaten dirket vom Schlachter in unsere kleine Herde und ist ein großes Schlitzohr 😉

Dabei aber sehr klug, besonders liebevoll und jederzeit äußerst sensibel.
Dazu möchte ich eine kleine Geschichte von heute Nachmittag erzählen.

Es regnet bei uns schon seit Tagen. Bei uns stehen aus verschiedenen Gründen je 2 Pferde gemeinsam in einem großzügig bemessenen Unterstand mit Paddock, die jeweils nur auf dem  großen Trail und den Weiden gemeinsamen Ausgang genießen. Der Boden ist aufgeweicht und das Tor zum Trail ist für beide Gruppen geschlossen. Heute schien es etwas trockener zu werden, wir hoffen darauf, dass bald alle wieder frei herum laufen dürfen.

Als wir nun bei Neros und Tafis Bereich mit Abäppeln fertig waren, ging es mit der Schubkarre zum zweiten Paddock. Da wir aber zu zweit waren, kam es wie es eben manchmal so ist, eine verlässt sich auf die andere dazu, dass die Gittertür zu Neros Auslauf nur angelehnt blieb. Nero hat das sofort gemerkt und sie aufgeschoben. Er lief schnurstracks zum Eingang des Trails, der glücklicherweise noch geschlossen war. Da Nero sehr schwer ist, hab ich bei ihm sozusagen eine Doppelsicherung eingebaut und das erste Teilstück nochmal mit Stromzaun abgesichert, damit das Pferd nicht den ganzen Trail durchlöchert und trotzdem ein Stück offen ist, zum Wälzen usw. und um mal ein paar Schritte galoppieren zu können, wenn sich mal Bewegungsdrang angestaut hat. Da stand er nun und wartete darauf, dass er raus darf und seine Kumpels auch dazu kommen würden.

Chester und Fjölvi hatten das natürlich nebenan sofort mitbekommen und warteten auch schon am Tor. Naja, was soll ich sagen, ich konnte das nicht übers Herz bringen, die jetzt da drin zu lassen und hab das Tor geöffnet, weil ich mir dachte, da können sie sich eben auch mal im Matsch wälzen nach den miesen Tagen nur auf dem Paddock. Der hat nur ca. 100 qm, das ist ja nicht viel und zum Wälzen ist das auch nicht gerade so toll.
Aber weit gefehlt, da war so viel Energie da, die auf einmal los gelassen wurde. Die beiden galoppierten den ganzen Trail entlang, auf die jetzt offenen Weiden, eine nach der anderen und wieder den Trail zurück und wieder auf die andere Seite usw. Sie hörten überhaupt nicht mehr auf, sich zu freuen.
Und Nero? Der machte Bocksprünge, galoppierte vom Eingang zum Trail zurück zum Paddock, von dort wieder hin zum Eingang und Buckelte was er konnte. Seine Tafi war dann natürlich auch ganz aufgeregt und ist mit hin und her gelaufen. Zum Glück hat der Boden das ausgehalten und sie sind nicht gerutscht.

Ich hab mir dann gedacht, dass ich jetzt Ruhe rein bringen muss und wollte durch den Auslauf zur Futterkammer laufen, um ihre Futterschüsseln zu holen, wenn ich damit komme, werden nämlich alle immer ganz zahm, weil es ja sonst die, wenn auch kleine Handvoll Mineralfutter gibt.

Ich hab also gewartet, bis die Bahn frei war und bin raus gesprungen quer über die Bahn. Nero kam jedoch schon wieder ums Eck galoppiert und ich bin zum Rand gehechtet. Er hat dann kehrt gemacht und wollte wieder in die andere Richtung los galoppieren, ich stand immer noch am Rand. Als er an mir vorbei ist, hab ich mich gesputet, in die andere Richtung davon zu springen. Er aber ganz mutig sein Bein in meine Richtung gehoben und gedroht.

Ich weiß, dass Nero und auch jedes andere Pferd, genau treffen könnte, wenn es wollte. Auf den Punkt genau. Aber dieses Andeuten hat mich in dem Moment sehr wütend gemacht. Ich war ja auch aufgeregt, möglichst schnell Ruhe rein zu bringen, was natürlich nicht mal im Ansatz hilft, wenn man selber aufgeregt ist, aber was soll ich sagen, ich bin manchmal auch nur Mensch…

Na jedenfalls schnell die Futterschüsseln geholt und im Paddock verteilt. Und schon kamen alle an und haben zufrieden gemümmelt. Sofort alle Tore geschlossen und drin waren sie wieder.
Aufatmen meinerseits.

Aber innerlich immer noch etwas SEHR wütend über seine Aktion, mir zu drohen. Ich hab mich an den Zaun des Paddocks gelehnt und reflektiert, was das jetzt war. War das jetzt ernst oder spielerisch? Da ich ja auch aufgeregt rum gesprungen bin, konnte er es auch dahin deuten, dass ich diesmal ganz entgegen sonstiger Aktionen einfach mal mit spielen wollte. Deshalb mit Sicherheit spielerisch, denn er hätte mich ja auch treffen können, wenn er wollte, aber dennoch in meinem Bauchgefühl immer noch angespannt.

Da kommt diese Wuchtbrumme zu mir geschlurft, gähnt mich an und leckt mir die Hände! Ich kenne das aus dem Herdenverhalten der Pferde sehr gut. Wenn einer den anderen zufällig getroffen hat, oder dem anderen weh getan hat, geht er hin, gähnt um zu sagen, dass war jetzt aber nicht ernst gemeint und leckt den anderen intensiv, manchmal Minuten lang.
Er hat mich sehr gerührt mit seinem Verhalten. Meine Wut ist jedenfalls in diesem Moment dahin geschmolzen und er war wieder ganz das sanfte Mammutbaby, was ich kenne.

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